Klangweihnachtsbäume und andere Geschenke

ein im Rahmen von „Sparkling Science“ gefördertes Projekt

Wie lassen sich Produkte ästhetischen Gestaltens evaluieren? Inwiefern unterscheiden sich Strategien unterschiedlicher Personengruppen in deren Beurteilung? Diese Fragen bildeten die Grundlage für das Forschungsprojekt „Klangweihnachtsbäume und andere Geschenke“, das 16- bis 17jährige Schülerinnen und Schüler des BORG Gastein und des BORG Oberndorf sowie deren Lehrende mit einem an der Universität Mozarteum Salzburg verorteten Forschungsteam (Leitung: Michaela Schwarzbauer; wissenschaftliche Mitarbeiterinnen: Katharina Steinhauser, Juliane Friedl) zusammenführte.

Zum Anlass für kreatives Gestalten und wissenschaftliches Arbeiten wurde für die Jugendlichen die Errichtung von Text-Bild-Klang-Installationen zum Thema „Stille Nacht“: Sechs Themenkreise boten sich für eine Auseinandersetzung mit dem Lied an:

  • „Zu Entstehungs- und Wirkungsgeschichte – ein Lied, umfangen von Legendenbildungen und Klischees.
  • Der Text – Basis für Umgestaltungen, gerade auch unter politischer Zielsetzung.
  • Holder Knabe im lockigen Haar“ – die Gestalt des Mensch gewordenen Erlösers, seine Darstellung im Lied sowie klingende und bildnerische Vorlagen, die zu dieser Gestalt hinführen.
  • Die musikalische Gestaltung – im Spannungsfeld von kreativen Versuchen der ‚Aktualisierung‘, ‚banalen‘ Umformungen und Verballhornungen.
  • Ein Lied geht um die Welt – zur internationalen Rezeption von „Stille Nacht“.
  • Das Geschäft mit „Stille Nacht“.

Eine Ausstellung im Foyer der Universität Mozarteum Salzburg bot den opulenten Rahmen für die Präsentation der Ergebnisse im November und Dezember 2018. Die Beiträge der Jugendlichen wurden als integraler Bestandteil vielfältiger Aktivitäten im Stille-Nacht-Jahr 2018 wahrgenommen und kommentiert. Zum Höhepunkt für die Schülerinnen und Schüler sowie deren Lehrende gestaltete sich eine abschließende Performance im Großen Studio der Universität.

Schon am Beginn des Projekts war klar gewesen, dass die Einbettung der Arbeit in den lebendigen Alltag an zwei Schulen (geprägt vom Ineinanderwirken vielfältiger Einflussfaktoren wie zeitlichen Möglichkeiten, infrastrukturellen Gegebenheiten, Motivation der Lehrenden, Schwerpunktsetzungen, Vorerfahrungen der Schülerinnen und Schüler) generelle Aussagen über das ‚kreative Potenzial‘ von einzelnen Leistungen nicht gestatten würde. Vielmehr sollten in einer multiperspektivischen Sichtweise Strategien in der Beurteilung ästhetischer Produkte durch auf Grund ihres Fach- und Erfahrungswissens deutlich unterschiedener Personengruppen in den Fokus unserer Aufmerksamkeit gerückt werden. So wurden nicht nur die Schülerinnen und Schüler der Projektklassen, sondern auch Jugendliche aus anderen Salzburger Schulen sowie Lehramtsstudierende im Fach Musikerziehung eingeladen, orientiert an offen gehaltenen Leitsätzen ausgewählte Exponate zu beurteilen. Zentral für unseren Zugang war der Vergleich dieser Aussagen mit den Stellungnahmen durch Expertinnen und Experten aus den Bereichen Musikpädagogik, Kunstpädagogik, Musikwissenschaft sowie Musiktheorie. Diese wurden angehalten, in ihrer Einschätzung insbesondere Originalität in der Gestaltung, künstlerische Durchführung sowie Aussagegehalt der Produkte ästhetischen Gestaltens zu fokussieren.

Die Auswertung des umfangreichen Materials macht deutlich, dass die Jugendlichen, die an unserer Studie teilnahmen, über eine Fülle an Metakompetenzen in der Rezeption ästhetischer Objekte verfügen. Sie zeigten große Bereitschaft, sich in der Konfrontation mit Produkten ästhetischen Gestaltens überraschen zu lassen, sich auch auf vorerst Befremdliches einzulassen. Viele der Schülerinnen und Schüler suchten Bezüge zu ihrer eigenen Erfahrungswelt herzustellen und bewiesen auch ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen. Ihre Interpretationen verblieben, im Gegensatz zu denen der Studierenden sowie der Expertinnen und Experten, die in ihren Beurteilungen auch stilistische und formale und expressive Ausdrucksmittel berücksichtigen, allerdings im Bereich des Subjektiven. Die Fähigkeit, von persönlichem Eindruck in der Bündelung von Wissen und in der Auseinandersetzung mit künstlerischen Ausdrucksformen erworbenen Erfahrungen zu abstrahieren scheint den Ergebnissen unserer Untersuchung gemäß primär letzteren Personengruppen vorbehalten. Betrachtet man die Ergebnisse der Pilotstudie in ihrer Bedeutung für die Unterrichtspraxis, so konnten gerade in der Fokussierung auf Metakompetenzen wesentliche Aspekte herausgearbeitet werden, die ein Sprechen über Kunst und künstlerische Leistungen anzustoßen vermögen. Als auffallend in unserer Untersuchung erwies sich, dass etliche der Expertinnen und Experten, wohl im Bestreben, Objektivität zu wahren, Gesichtspunkte eines persönlichen Gefallens und Missfallens aussparten. Überraschend war der sparsame Rekurs aller von uns Befragten auf sinnlich Wahrgenommenes. Gerade über die Beschreibung des Gesehenen und Gehörten würde sich unserer Meinung nach ein zentraler Ausgangspunkt für einen ästhetischen Diskurs ergeben.

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