Vorträge am Freitag, 6.3.2020
Kleines Studio, Mirabellplatz 1

Diagnostisches Hören und gesangpädagogische Reaktion im Kinder- und Jugendchor (Friederike Stahmer): Die chorische Stimmbildung im Kinder- und Jugendchor stellt uns vor besondere Fragen und Herausforderungen: Welcher Chorklang schwebt uns vor? Wie können wir die Sänger*innen unserer Chöre individuell fördern und gleichzeitig einen homogenen Chorklang erreichen? Wie schulen wir unser Ohr, analytisch zu hören? Wie reagieren wir gesangspädagogisch auf das Gehörte, um der Vision unseres Chorklangs näher zu kommen? Diesen Fragen widmet sich der Vortrag und versucht in Interaktion mit den Teilnehmenden einige Antworten zu finden.

Twelve, thirteen, Chorteen – (Jugendliche) Chorsingende im deutschsprachigen Raum. Ergebnisse zweier quantitativer Studien? (Heike Henning): Von über zwei Millionen Menschen, die 2017/18 in Deutschland in einem Chor sangen, waren 15% Kinder und Jugendliche. Wer sind diese Jugendlichen? Wie verlaufen ihre musikbezogenen Biographien, welche Hör- und Singvorlieben haben sie? Was bedeutet Ihnen das Chorsingen und wie werden sie in Bezug darauf von ihren Eltern unterstützt? In diesem Vortrag werden zentrale Ergebnisse einer umfangreichen quantitativen Studie (Befragung von knapp 400 Jugendchorsänger*innen) vorgestellt. Es wird u.a. verraten, ob und wie Jugendliche Chorproben vor- und nachbereiten, was sie gerne singen, wie sie ihre Chorleiter*innen erleben und ob sie digitale Medien für ihre Singpraxis nutzen.

Bildung und Integration durch Singen (Gerald Wirth): Im Vortrag lernen wir ein atemberaubendes musikpädagogisches Projekt an Grundschulen in Jordanien kennen, das Gerald Wirth methodisch unterstützt und begleitet; wie in diversen internationalen Projekten gearbeitet wird um mit aktivem Musikmachen insbesondere dem Singen Integration und persönliche Entwicklung der Kinder zu fördern.

Viel zu tun, bevor der erste Ton erklingt. Außermusikalische Schlüsselqualifikationen für Kinder- und Jugendchorleiter*innen (Robert Göstl): Der angestellte Profimusiker im Sinfonieorchester erhält seinen Dienstplan, kommt zu den Proben und Aufführungen, erhält die präparierten Noten, übt (oder auch nicht) und spielt. Das dürfte der Gegenentwurf zum Berufsbild vieler Kinder- und Jugendchorleiter*innen sein. Denn sicher gibt es auch in diesem Bereich die großen Institutionen, in denen ein Chormanagement und ein Sekretariat, Notenwarte und Chorbetreuer sowie eine PR-Abteilung und der hauseigene Ticketverkauf das ganze „Drumherum“ erledigen, aber viele der in diesen Funktionen abgebildeten Tätigkeiten erledigen viele von uns mehr oder weniger alleine mit. In Abstufungen gilt dies für Musiklehrer*innen und Kirchenmusiker*innen, für freiberufliche Kolleg*innen und für Angestellte in kleineren Einrichtungen oder Chören. Neben den technischen Dingen gibt es aber auch noch andere außermusikalische Aspekte dieses komplexen Berufsbildes: wir arbeiten mit Gruppen, mit verschiedenen Altersgruppen, mit verschiedenen Geschlechtern, müssen diese jeweils unterschiedlich motivieren und auch als Individuen wahrnehmen und mit ihnen in Beziehung treten. Und dann gibt es ja auch noch die Eltern… Darf man sich auf all das freuen oder sollte man lieber sagen: „Augen auf bei der Berufswahl!“?

Die Professionalisierung von Kinder- und Jugendchorleiter*innen – Ergebnisse einer Studie zur Ausbildung von Kinder- und Jugendchorleiter*innen (Helmut Schaumberger): Zahlreiche Befunde belegen, dass das Singen mit Kindern und Jugendlichen seit Beginn des 21. Jahrhunderts in deutschsprachigen Ländern sowohl in qualitativer als auch in quantitativer Hinsicht zugenommen hat. Hand in Hand mit diesem aus musikpädagogischer Sicht erfreulichen Trend sind die Qualifikationen der Kinder- und Jugendchorleiter*innen sowie die Inhalte von Ausbildungsgängen in den Mittelpunkt des Forschungsinteresses gerückt. Die 2018 eingereichte Forschungsarbeit setzt an ebendieser Stelle an und geht der Frage nach, wie eine bisher nur vage eingegrenzte Gruppe von Spezialist*innen im musikpädagogischen Feld professionalisiert und letztlich in ihrer Tätigkeits- und Verantwortungsbreite anerkannt werden kann. Ausgehend von der Definition des Begriffes Professionalisierung und den daraus ableitbaren Bedingungen werden im Vortrag die Schlüsselqualifikationen von Kinder- und Jugendchorleiter*innen sowie notwendige Maßnahmen für die Professionalisierung dieser Berufsgruppe beschrieben.